Gustav Klimt . ARTWork
G-Klimt-1914

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| Max Slevoft, schreitende Löwen im Käfig, 1901. |
Der Löwenkäfig
Sie geht hin und her wie die Wachposten draußen am Rand der Wälle, wo nichts mehr ist. Und wie in den Wachposten, ist Heimweh in ihr, schweres Heimweh in Stücken.
Wie unten im Meer irgendwo Spiegel sein müssen, Spiegel aus den Kajüten gesunkener Schiffe, Stücke von Spiegeln, die ja natürlich nichts mehr enthalten: die Gesichter der Reisenden nicht, keine ihrer Gebärden; nicht die Art, wie sie sich umdrehten und so seltsam linkisch aussahen von hinten; nicht die Wand, nicht die Ecke, in der man schlief; noch weniger was von drüben und draußen schwankend hereinschien; nichts, nein. Aber wie doch eine Alge vielleicht, ein offen absinkender Pulp, das plötzliche Gesicht eines Fisches oder auch nur das Wasser selbst, das ziehende, geteilte, wieder zusammenkommende Wasser Ähnlichkeiten in jenen Spiegeln hervorruft, entfernte, schiefe, falsche, gleich wieder aufgegebene Ähnlichkeiten mit dem, was einmal war –:
so liegen Erinnerungen, Stücke von Erinnerungen, bruchflächig, im Dunkel auf dem Grund ihres Blutes.
Sie geht hin und her um ihn, den Löwen, der krank ist. Kranksein wird nicht besorgt in ihm und vermindert ihn nicht; es schließt ihn nur ein. Wie er so liegt, die weich abgebogenen Pranken ohne Absicht, das hochmütige Gesicht mit der abgetragenen Mähne überhäuft, die Augen nicht geladen, ist er errichtet auf sich selbst zum Gedächtnis seiner Trauer, wie er einst (immer über sich hinaus) seiner Kraft Übertreibung war.
Nun zuckt es noch da und dort in den Muskeln und spannt sich, da und dort bilden sich, zu weit von einander, kleine Stellen von Zorn; das Blut bricht sicher böse, mit einem Sprung, aus den Herzkammern aus und gewiß hat es noch die vorsichtigen erprobten Wendungen entschlossener Plötzlichkeit, wenn es in das Gehirn tritt.
Aber er läßt nur geschehn, weil es noch nicht zu Ende ist und verwendet nichts mehr und nimmt nicht mehr teil. Nur ganz fern, wie weit von sich fortgehalten, mit dem weichen Pinsel seines Schwanzes malt er immer wieder eine kleine halbrunde Geste unbeschreiblicher Verachtung. Und sie geht so bedeutend vor sich, daß die Löwin anhält und hinsieht: beunruhigt, aufgeregt, erwartungsvoll.
Dann aber nimmt sie ihren Gang wieder auf, den trostlosen lächerlichen Gang der Wachposten, der immer wieder in dieselben Fußtapfen zurückfällt. Sie geht und geht, und manchmal erscheint ihre zerstreute Maske, rund und voll, durchgestrichen vom Gitter.
Sie geht wie Uhren gehen. Und auf ihrem Gesicht steht wie auf einem Zifferblatt, das man nachts anleuchtet, eine fremde, merkwürdig kurz angezeigte Stunde: eine furchtbare, in der jemand stirbt.
Quelle:
Rainer Maria Rilke: Sämtliche Werke. Band 1–6, Band 6, Wiesbaden und Frankfurt a.M. 1955–1966, S. 1135-1137.
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Rainer Maria Rilke
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Venedig ….
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| Canaletto, Venedig, San Cristoforo, San Michele, Murano. |
VENEDIG
I
Fremdes Rufen. Und wir wählen
eine Gondel, schwarz und schlank:
Leises Gleiten an den Pfählen
einer Marmorstadt entlang.
Still. Die Schiffer nur erzählen
sich. Die Ruder rauschen sacht,
und aus Kirchen und Kanälen
winkt uns eine fremde Nacht.
Und der schwarze Pfad wird leiser,
fernes Ave weht die Luft, –
traun: Ich bin ein toter Kaiser,
und sie lenken mich zur Gruft.
II
Immer ist mir, daß die leisen
Gondeln durch Kanäle reisen
irgend jemand zum Empfang.
Doch das Warten dauert lang,
und das Volk ist arm und krank,
und die Kinder sind wie Waisen.
Lange harren die Paläste
auf die Herren, auf die Gäste,
und das Volk will Kronen sehn.
Auf dem Markusplatze stehn
möcht ich oft und irgendwen
fragen nach dem fernen Feste.
III
MEIN RUDER SANG:
Poppé, fahr zu!
Ein Volk von Sklaven
drängt sich im Hafen
um nüchterne Feste.
Und die Paläste
können nicht schlafen.
Poppé, fahr zu !
Eisige Ruh
in Marmorgliedern
mit matten Lidern
erschauern die Plätze.
Im Gassennetze
betteln die Niedern.
Poppé, fahr zu!
Sag mir, weißt du
noch von den Toten,
die hier geboten
in köstlichen Kronen?
Wo sie jetzt wohnen,
die Purpurroten?
————–
Poppé, fahr zu!
IV
Ave weht von den Türmen her.
Immer noch hörst du die Kirchen erzählen;
doch die Paläste an stillen Kanälen
verraten nichts mehr.
Und vorbei an der Traumesruh
ihrer schlafenden Stirnen schwanken
leise Gondeln wie schwarze Gedanken
dem Abend zu.
Rainer Maria Rilke
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| Heinrich Vogeler, der Fischer 1899. |
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| Carl Spitzweg, in der Lagune bei Venedig. |
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Zeitgenossen – Freunde – Freundinnen – Menschen um Rilke:
Franziska Gräfin zu Reventlow:
Wie in meinem Blog Semsakrebsler unter Franziska Gäfin zu Reventlow angekündigt, möchte ich heute etwas mehr über Franziska zu Reventlow schreiben.
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| Foto 1910 |
Fanny Gräfin zu Reventlow, Veröffentlichungen zu Lebzeiten unter der Verfasserangabe
F. Gräfin zu Reventlow; heute auch bekannt als Franziska Gräfin zu Reventlow.
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| Ftanziska |
Franziska Gäfin zu Reventlow führte ein eigenständiges, wenn auch von dauernder finanzieller Not und von Krankheit und mehreren Fehlgeburten gekennzeichnetes Bohèmeleben in München. Militär, Bürokratie, Aristokratie, den geld- und fortschrittsgläubigen, nationalistischen wilhelminischen Gründergeist, dem ihr Bruder Ernst anhing, hat sie genauso verachtet wie die Erziehung junger Frauen zu sogenannten “höheren Töchtern”.
Am 1. September 1897 wurde ihr Sohn Rolf geboren [starb am † 12. Januar 1981 in München] den Namen des Vaters – er ist bekannt, doch ohne alle Bedeutung, – verschwieg sie zeitlebens.
Ihren Unterhalt verdiente sie zum Teil mit literarischen Übersetzungen für den Albert Langen Verlag und mit kleineren schriftstellerischen Arbeiten für Zeitschriften und Tageszeitungen etwa für die Gesellschaft, Simplicissimus, Neue Deutsche Rundschau, Frankfurter Zeitung oder die Münchner Neueste Nachrichten.
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| Bilder; Franziska zu Reventlow mit Sohn Rolf. |
Außerdem hatte sie nach etwas Schauspielunterricht 1898 ein kurzes Engagement am Theater am Gärtnerplatz das heutige Staatstheater am Gärtnerplatz und spielte vorübergehend im Akademisch-Dramatischen Verein des jungen Otto Falckenberg.Im übrigen schlug sie sich mit Gelegenheitsjobs, Prostituierte, das würde man heute nicht mehr so sagen, Lebedame, Sekretärin, Aushilfsköchin, Versicherungsagentin, Messehostesse, Glasmalerin usw. durch, der nakte Kampf ums Leben.
Nicht wenige Einkünfte verdankte sie schließlich, wie in der Bohème üblich, der Schnorrerei und den Spenden ihrer männlichen Bekanntschaften.
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| Beim Scharfrichterball, München 1903. |
Das Leben der Bohème
Der Begriff “Bohèmien” steht im Französischen für den Böhmen und den Zigeuner; die Bohème meint allgemein die ungebundene und freizügige Künstlerwelt. Entsprechend gibt es um 1900 in Österreich und Bayern den umgangssprachlichen Ausdruck “Schlawiner” (ursprümglich Slowaken,Slowenien).
[ So die Wikipedia ]
Die Bohème
ist als ein lockerer Zusammenschluß unterschiedlicher Gruppen und hauptsächlich jüngerer Künstler und Intellektueller zu verstehen, welche weder familiär noch beruflich in die bürgerliche Gesellschaft integriert sind und die sich als “alternative Kultur” gegen die entstehende bürgerliche Industriegesellschaft bildeten.
Solche Gruppierungen entstehen in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts, vor allem in München und Berlin. Bei genauerer Betrachtung der Bohème entsteht ein Bild buntscheckiger Gruppierungen und Personen. Unter dem Begriff Bohème treffen sich Feministinnen, Pazifisten, Internationalisten, AnarchistInnen, Syndikalisten, Nihilisten, avantgardistische Literarten, expressionistische Maler und Tänzer, politisierende Philosophen und von “freier Liebe” begeisterte Freidenker-Innen und Psychoanalytiker.
In ihrer provokativen, alternativen Lebensweise gegenüber der bürgerlichen Gesellschaft nimmt die Bohème deutlich Züge späterer Alternativkulturen vorweg. Die Bohèmiens lebten oft verhältnismäßig in großer Armut und sie hielten sich vor allem mit Gelegenheitsarbeiten, Erträgen aus literarisch-künstlerischer Tätigkeit und Unterstützung durch wohlhabendere Freunde “über Wasser”. Bohème-Treffpunkte waren vor allem verschiedene Wohngemeinschaften, Cafehäuser und Wirtschaften oft mit Kleinkunstbühnen, aber auch einfach spontan inszenierte Feste und Freundschaftstreffen.
Vor allem die “Kunststadt” München fand um die Jahrhundertwende im alten Dorf Schwabing den Ort für ihre Bohème. Entsprechend wurde Schwabing als Stadtteil Münchens mit verschiedenen Bezeichnungen stilisiert: Zum Beispiel Schwabing als das “bayerische Montmatre” (Schwabing begann eigentlich in Paris, z.B. mit dem Verlag Albert Langen 1899 und der Zeitschrift Simplicissimus). Weiter war die Rede von Schwabing als “Wahnmoching” (Reventlow), als “Welt-Vorort” (L. Klages), als Schwabylon (im Anklang an die Hure Babylon, Roda-Roda) und als Traumstadt (Althaus). Hier gab es dann auch die berühmt-berüchtigten Cafés und Kneipen der Bohèmiens .
Die Bohème zentrierte ihr Interesse auf auch heute noch aktuelle Themen: die Problematik der nicht-autoritären, repressionsfreien Erziehung, der Befreiung aus patriarchalen hierarchischen Strukturen im Rahmen von Familie, Ehe, Beruf usw., die Emanzipation der Frau im speziellen, die freie Entscheidung des Individuums über sein Leben auch bezüglich der Fragen des Drogengebrauchs, der Liebe und Sexualität, letztlich also Fragen um die Freiheit des Individuums gegenüber gesellschaftlichen Normen und Zwängen. Diese Themenkomplexe verkörperten in Beispielhafter Art verschiedene Persönlichkeiten und Symbolgestalten der Bohèmiens.
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| Franziska Gräfin zu Reventlow, Portrait von Mari Freiin von Geysow, 1901-02. |
Franziska Gräfin zu Reventlow
* 18. Mai 1871 in Husum,
† 26. Juli 1918 in Locarno – Schweiz,
eigentlich Fanny Liane Wilhelmine Sophie Auguste Adrienne Gräfin zu Reventlow,
war eine deutsche Schriftstellerin, Malerin und Übersetzerin,
berühmt als „Skandalgräfin“ oder als „Schwabinger Gräfin“ der Münchner Bohème und als Autorin des Schlüsselromans Herrn Dames Aufzeichnungen, 1913.
Fanny Sophie Liane Auguste Adrienne Gräfin zu Reventlow
aka Franziska Gräfin zu Reventlow, wurde 18.05.1871 im Schloss vor Husum geboren.
Franziska war das vierte Kind einer geborenen Reichsgräfin zu Rantzau und Ludwigs Graf zu Reventlow, Landrat von Husum.
Schon früh leistete sie Widerstand gegen die Erziehung zur »höheren Tochter« und die gängige Sexualmoral.
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| Wappen der Reventlow. |
Reventlow ist der Name eines holsteinisch-mecklenburgischen Uradelsgeschlechts, sie gehörten zu den Equites Originarii. Die Herren von Reventlow gehörten zu den bedeutendsten Geschlechtern im westlichen Ostseegebiet. Die Schreibweise wechselte zwischen Revetlo, Reventlo, Reventlau, Reventlou, Reventlow, Refendtlof und Reffentloff.
Zu den Gütern, die sich zumindest zeitweise im Besitz der Reventlow befanden, gehörten unter anderem Gut Altenhof, Gut Bülk, Gut Dobersdorf, Gut Eckhof, Gut Emkendorf, Gut Falkenberg, Gut Farve, Gut Jersbek, Gut Kaden, Gut Kaltenhof, Gut Rantzau, Gut Sandbjerg, Gut Testorf, Gut Waterneverstorf.
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| Franziska und Sohn Rolf. |
Zu einer Zeit wo dies für eine junge Frau, wenn gleich auch Adelige, nicht möglich oder üblich war leistete sich die Schriftstellerin, Malerin, Übersetzerin und Mutter eines Sohnes Franziska Gräfin zu Reventlow, ihre Ehe schloß 1894 ihre Ehe mit dem Juristen Walter Lübke in Berlin.
Einen Fauxpas der nicht nur gegen die damaligen meisten gesellschaftlichen Regeln verstieß.
In Zeiten, in denen eine alleinstehende und alleinerziehende Frau kaum etwas galt, wagte sie die Scheidung, eine Scheinehe, Affären, die freie Liebe und die freie Erotik, eine Skandalgräfin der damaligen Zeit.
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| Franziska zu Reventlow. |
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| Franziska zu Reventlow, Aktfotografie, Samos. |
Faszinierend scheint das in jeder Hinsicht freizügige Leben dieser Frau in einer männlich dominierten Gesellschaft auch Jahre später noch gewesen zu sein.
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| Franziska mit Hut und Matrosenbluse, 1905. |
Ihre Erfahrungen, die Franziska Gräfin von Reventow vor allem in der Münchner Bohème sammelte, flossen in ihre Gedichte, ihren Schlüsselroman „Herrn Dames Aufzeichnungen“ (1913), ihre Novellen, Essays und ihre Kunst ein.
Im Bild:
Marianne von Werefkin mit v.L: der russische Maler Dimitry Kardowsky, Alexej Jawlensky, Igor Crabar
und Anton Azbe.
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| Die Kosmiker, München. |
Im Bild: Der Kreis der Kosmiker, v.L.: Karl Wolfskehl, Alferd Schuler, Ludwig Klages, Stefan George,
und Albert Verwey, 1092.
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| der Schriftsteller Franz Werfel. |
Die Künstlerin verkehrte mit Frank Wedekind, Erich Mühsam, Marianne Werefkin, Rainer Maria Rilke und anderen Berühmtheiten. Jedoch wie schon geschrieben,Zeit ihres Lebens mußte sie sich mit Gelegenheitsjobs als Übersetzerin, Glasmalerin, Prostituierte, Sekretärin, Aushilfsköchin, Versicherungsagentin und Messe-Hostesse über Wasser halten. Franziska Gräfin von Reventow starb im Alter von 47 Jahren in Muralto am Lago Maggiore, an den Folgen eines Fahrradsturzes in einer Klinik in Locarno. Die Grabrede hielt Emil Ludwig. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof der Kirche Santa Maria in Selva in Locarno.
Berühmt geworden ist sie nicht nur duch ihre Auflehnung gegen die Gesellschaft, indes im besonderen durch ihr literarisches Werk. …..
Einige der malerischen Werke von Franziska zu Reventlow:
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| 1. |
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| 2. |
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| 3. |
Bilder:
1.) Bodan von Suchocki 1904. 2.) Innenhof das Eckhauses Kaulbachstr.63 München Schwabing.
3.) weibliche Hand mit Ehering.
Mit ihren eher novellistisch angelegten Romanen und Erzählungen der 1910er Jahre betrat sie völlig neues Terrain. In ihrem letztem Roman: Der Selbstmordverein macht sich trotz aller Ironie auch ein melancholischer Zug bemerkbar, der einer allgemeineren Stimmung in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg entsprach, als die ehemaligen Bohème-Kreise Münchens und Berlins sich mehr und mehr zu reformatorisch-sektiererischen Zirkeln in Rückzugsgebieten (Monte Verità-Wahrheitsberg ) wandelten oder zur politischen Aktion der Räterepublik bekannten.
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| Einige Ausgaben ihrer Werke. |
In den 1970er – 1980er Jahren wurde Reventlow wegen ihres unkonventionellen Lebens zu einer Ikone der sexuellen Revolution und Frauenemanzipation stilisiert.
Fanny Reventlow selbst hatte sich eher distanziert bis zynisch über die zeitgenössische Frauenbewegung geäußert, wenngleich sie freundschaftliche Beziehungen zu einigen ihrer Vertreterinnen wie Anita Augspurg und Helene Böhlau unterhielt.
Erst in jüngerer Zeit erwacht im Zuge einer kulturwissenschaftlichen Erforschung der literarischen Moderne und der Bohème-Gesellschaften in München und Berlin auch wieder ein verstärktes Interesse an Reventlows literarischen Werken und an einer wirklichen, hinter der hagiografisch aufbereiteten Wirkungsgeschichte inzwischen nahezu verschütteten Biografie der „Schwabinger Gräfin“.
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| Die Glasmalerin, einige Glasmalereien der Franziska zu Reventlow. |
Das freie Leben in der Schwabinger Bohème finanzierte sie durch vieles wie gesehen aber auch durch Übersetzungen und sie betrieb zeitweise ein Milchgeschäft und arbeitete als Glasmalerin.
In dieser Zeit war sie mit René Rilke befreundet.
Ihre Beziehung ? – Vielfältig wie in so vielen Dingen und in einigem.
Im Jahre 1896 war Rilkes Umzug nach München.
Um Philosophie zu studieren, geht er nach München, die Weltstadt gilt damals als Zentrum der Intellektuellen und Künstler. Dort lernt er auch Franziska kennen und es gibt so einiges das er mit der vier Jahre älteren Fanny teilt.
Übrigens lernt Rilke in dieser Münchner Zeit, im Mai 1897 Lou Andreas- Salomé kennen, die Tochter eines Generals in russischem Dienst und seiner Frau, die von einer wohlhabenden deutsch-dänischen Familie abstammt. Die hochintelligente und zudem ausnehmend attraktive Lou, die in St. Petersburg aufgewachsen ist und in Zürich Philosophie, Theologie, Vergleichende Religionswissenschaften und Kunstgeschichte studiert hat, hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits durch mehrere eigene Publikationen in der intellektuellen Welt Europas etabliert.
Als Verfasserin der ersten Nietzsche-Biographie sowie autobiographischer Romane, etlicher Aufsätze und Rezensionen war ihr Bekanntsheitsgrad in der Kulturwelt groß, wohl aber auch aufgrund ihrer zahlreichen Lieb- schaften mit namhaften Zeitgenossen.
Der selbstbewussten Schönen lag die Männerwelt in Scharen zu Füßen.
Zuvor rückt aber Fanny ins Bild, wo es doch einiges gibt das beide miteinander teilen.
Einen Briefwechsel in denen Rilke, Fanny über seine Reisen und Vorhaben schreibt, ja sogar intimeres wird der Beiden wird geteilt. - Einmal bedauert René,
[so war Rilkes Name bevor Lou Andreas Rilke vorgeschlagen hat, seinen Namen in Rainer zu ändern]
es sehr Franziska nicht in ihrer “rosenreifen fröhlichen Fröhlichkeit“, welche Worte ! mit ihrem kleinen Sohn Rolf nicht sehen zu können.
Auch über Reiseziele tauschten sich beide aus. René bedauerte seine Frühlingsreise nicht an den Gardasee machen zu können der ebenfalls das Reiseziel von Franziska und ihrem kleinen Sohn Rolf war.
Es gibt einige Begebenheiten und Aussagen die das Bekanntsein und Verhältnis Rilkes mit der Skandalgräfin Franziska zu Reventlow belegen. Beide lebten, wie nicht anders zu erwarten in Schwabing im Münchner Künstlerviertel unter Gleichgesinnten. Schriftstellern, Maler und Musiker.
Bekannte wie: Wilhelm von Scholz dem Romancier, der Komponist Oskar Fried,
Oscar A. H. Schmitz, Theodor Lessing, Friedrich Huch, Erich Mühsam, Oskar Panizza, Rainer Maria Rilke, Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky, Frank Wedekind und zahlreichen anderen Exponenten der „Münchner Moderne“ waren ihr Umgang.
Rilke teilte mit Fanny also auch recht vertraute Empfindungen. So schrieb er ihr in einem Brief von der bevorstehenden Geburt seiner Tochter…. - bald zu Weihnachten bekommen wir ein Kind -
das ist jetzt das Wichtigste – das wonach sich alles richten muß, die ganze Welt, Paris und Konstantinopel … und jedenfalls ist das Leben ganz neu in einem Schlag und um einen neue Zukunft und ein neues Leben reicher! …. Große Worte wenn man den weiteren Verlauf seines Weges verfolgt!
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| Postkarte, Rilke an Franziska. |
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| Seiten aus Rilkes Moleskine Notizbuch. |
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| Eine Seite aus dem Notizbuch Franziska zu Reventlows. |
So gibt es Notizen über gemeinsames Reisen, über einen Ausflug im April/Mai 1897
mit René an den Bodensee – ….
…. und ein Fanny gewidmetes Gedicht:
Und nach einem Tagebucheintrag vom März 1897 – warf der Dichter René,
Franziska zu Reventlow eine Weile jeden Morgen ein Gedicht in den Briefkasten.
Fanny’s Tagebucheintrag lautet noch hierzu: »Das gefällt mir«.
Rilke macht auch eine Besprechung ihres Romans Ellen Olestjerne.
Der Roman gehört zur Kategorie des sog. Frauenromans – die entwicklung zeiget sich in den sog. 90er Jahren als tendenziös gefärbter Modegattung und umkreist die das Thema der weiblichen Emanzipation, dem Lieblingsthema der Frauenbewegung und er speigelt die Gefühlswelt und Interessenlage der Frau um die die Jahrhundertwende wieder.
Ellen Olestjerne entzieht sich schon als Kind den ihr aufgezwungenen gesellschaftlichen Normen: Am liebsten tobt sie auf dem freiherrlichen Schloß ihrer Eltern mit den Jungen, widersetzt sich den Erziehungsversuchen ihrer Gouvernanten und läßt sich auch im Pensionat nicht bändigen. Den Kampf gegen die strenge Mutter gewinnt sie, droht aber in der Münchner Malerbohème unterzugehen. Zum guten Schluß rettet sie sich unter Aufbieten fast übermenschlicher Kräfte für ihr Kind. Franziska zu Reventlows erster Roman ist ein unter der Folie eines Mädchenschicksals entworfenes Bild der vielfältigen Strömungen in der Zeit um 1900. Ellens Idealismus und Zwanglosigkeit, Kameradschaftlichkeit und Übermut, aber auch ihre seelische Not sind glänzend formuliert und überaus lebendig geschildert. Das überrascht kaum, ist der Roman doch aufgrund seines autobiographischen Gehalts zugleich ein wichtiges Dokument zu Franziska von Reventlows atemlosem Leben wider alle Konvention.
Die Bekannstschaften der F. mit den Autoren des Jugendtils wie Franz Blei, Max Dauthendey,
Ludwig Derleth, und Rilke dürfte für Franziska eine stilbildenede Wirkung mit sich gebracht haben.
Ebenso die Kreise um Steafan George, die Münchner Kosmiker den Vertretern eines elitären, sakralen Jugendstils, hatten einen belibenden Eindruck und wirkten Stilbildend.
Dies wiederspiegelt sich dann auch in ihren Werken: Paul und Pedro, einer Amoureske ….
Herrn Dames Aufzeichnungen; Der Geldwäscherkomplex etc. Gekonnte Ironie als Stilmittel!
Ihre Bücher, auch ihre Übersetzungen, erschienen 1897–1917 allesamt unter der Verfasserangabe
„F. Gräfin zu Reventlow“, die also als der eigentlich von ihr intendierte Schriftstellername zu gelten hat.
Ein Brief Rainer Maria Rilkes an Franziska von Reventlow:
Berlin-Wilmersdorf, im Rheingau 8/III,
Meine liebe Gräfin,
Ihr gütiger Brief und das schöne, glückliche Bild lassen mich nicht zögern. Mit wendender Post sollen Sie den Dank dafür erhalten. Sie Liebe, so ist das Glück, welches Sie längst verdient haben und in dessen Adventzeit die Sorge Sie viel gequält hat, als strahlende Sonne in den Augen des kleinen Rolf aufgegangen und liegt nun in stiller und heiliger Verklärung über Ihren neuen tiefen Tagen.
Wenn wir nicht zwölf Bahnstunden voneinander wären, würde ich Sie nun in Ihrem Heim (wie verdient es nun diesen Namen!) aufsuchen, wissen Sie, recht treuer Freude voll und Ihnen beide Hände reichend, liebe junge Frau, und Ihnen mit meinem Schweigen das ganz sagen, was ich nun nur mühsam und unvollkommen in den Worten gebe.
Diese innige Freude, diese Madonnenmutterverehrung und diese ganze Schar reicher Wünsche für morgen und übermorgen und für alle Zeit des heiligen Reifens. -
Sehen Sie: einstweilen habe ich ein Gedichtbuch zusammengezimmert, und Sie haben, starke Freundin, aus Ihrem jungen Leben ein Gedicht gemacht. Und zwar: kein sehnsuchtweinendes Lied, eine helle Hymne mit vollen glänzenden Klängen scheint mir, was aus Ihrer schönen Einsamkeit in meine Stunden herüberklingt.
Das Jahr 98 fängt selig an für Sie, und ich habe diesen treuen Wunsch: seine Tage möchten Ihre holde Einsamkeit achten und auf den Zehen, reiche Geschenke an die Schwelle legend, an Ihrem Hause vorübergehen. Jedenfalls komme ich später, im Frühjahrsbeginn nach München.
Vorher erzähl ich nochmal gelegentlich von mir.
Nur noch, was ich immer tat: bitte, muten Sie Ihren Kräften nicht zu viel zu; denken Sie, Sie müssen gesund bleiben, es gibt ein lieber Wofür! Ich bitte, bedenken Sie das.
Und der kleine Rolf ist ein reizender, nachdenklicher kleiner Held, der mir sehr gefällt.
Und was er Ihnen im Blühen vormacht, tun Sie’s munter mit, liebe Mutter!
Also, Gräfin, lassen Sie sich diese Hymne gefallen, und lassen Sie Ihre gütige Erinnerung über mir. Ich möchte jetzt sehr greise sein oder sehr weise oder sonstwie was wert, damit ich die Hände ausbreiten und sagen dürfte:
Ich segne Sie. So aber reich ich sie Ihnen über alle Weiten – beide: Glück auf!
Ihr
Rainer Maria Rilke
Veröffentlichungen
von Franziska Gräfin zu Reventlow:
Ellen Olestjerne (1903)
Von Paul zu Pedro (1912)
Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil (1913)
Der Geldkomplex (1916)
Das Logierhaus zur schwankenden Weltkugel und andere Novellen (1917)
Gesammelte Werke in einem Bande (1925 posthum herausgegeben von Else Reventlow)
Briefe (1928/29 posthum herausgegeben von Else Reventlow)
Tagebücher 1895-1910 (1971 posthum herausgegeben von Else Reventlow)
Das allerjüngste Gericht. Erzählungen, Skizzen und Amouresken (1989 posthum)
Der Selbstmordverein. Zwei kleine Romane und drei Aufsätze (1991 posthum)
Bücher:
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Weitere Literatur :
Franziska Gräfin zu Reventlow: “Das gräfliche Milchgeschäft” (1897) und andere Kurzgeschichten “.
Gutenberg Spiegel unter Autor Franziska zu Reventlow ….
Quellen, Texte&Bilder:
Dokumente der Empfindsamkeit. Unveröffentlichte Aufzeichnungen
von Rainer Maria Rilke und Fanny Reventlow. [Auszug aus dem
Tagebuch vom 22. 5. 1895 (A 8 a, S. 32-41)]. – In: Die Neue Zeitung
(München). Nr. 44 vom 3. 6.1946 (Feuilleton- und Kunstbeilage).
Vgl. A 279.
Rilke, Kainer Maria Franziska Gräfin zu Reventlow, Ellen Olestjerne. —In: Die Zukunft Jg. 12 Nr. 21 (1904) S 306f -Wieder abgedruckt in: Rilke: Sämtliche Werke. (Hrsg. vom Rilke Archiv in Verbindung mit Ruth Sieber-Rilke, besorgt durch laust Zinn.) Bd. 5. — (Frankfurt/M.): Insel-Verlag 1965, S. 653—657 (Vgl. die Anm. des Hrsg.: Rilke: Sämtliche Werke. Bd. 6. 1966, S. 1435-1437).
Rilke, Rainer Maria: [Bemerkungen über F. R. in einem Brief] an
Friedrich Huch, Schloß Haseldorf, [6. 7. 1902]. – In: Rilke: Ges.
Briefe in sechs Bänden. Hrsg. von Ruth Sieber-Rilke und Carl Sie
ber. Bd. 1: Briefe aus den Jahren 1892 bis 1904. — Leipzig: Insel
Verlag 1939, S. 229-236 (Nr. 95), über F. R. S. 230, 231.
Rilke, Rainer Maria
Briefe und I agebücher aus dei l’rüh/.ell 1899 I.e. i’Mi’ Her, von Rulli Sieber Rilke und Carl Sieber. Leipzig: Insel Verlag 1031.Enthällt vier Brief« an F. R.: 1. St. Petersburg, 19. 5. 1899 (S. 14 f., Nr. 6); 2. Westerwede b. Bremen, 12. 11. 1901 (S. 117—121, Nr.
’18; Vgl. Anm. 48, S. 426); 3. Westerwede b. Worpswede, 18. 12.
1901 (S. 133—135, Nr. 54); 4. Westerwede b. Worpswede, 11.
4.1902 (S. 178 f., Nr. 68; vgl. Anm. 68, S. 498).
— , —: Gesammelte Briefe in sechs Bänden. Hrsg. von Ruth Sieber-
Rilke und Carl Sieber. Bd. 1: Briefe aus den Jahren 1892 bis 1904. —
Leipzig: Insel Verlag 1939.
Enthält vier Briefe an F. R.: 1. Berlin-Wilmersdorf, o. D., wohl Jan. 1898 (S. 52-54, Nr. 26); 2. Bremen, 28. 4. 1901 (S. 158, Nr. 68); 3. Westerwede b. Bremen, 12. 11. 1901 (S. 172—176, Nr. 75; vgl. Anm. 75, S. 499) (vgl. A 276/2); 4. Westerwede b. Worpswede, 18.12.1901 (S. 183 f., Nr. 79) (vgl. A 276/3).
— , —: Briefe. — Bd. 1—2. Hrsg. vom Rilke-Archiv in Weimar, in
Verbindung mit Ruth Sieber-Rilke besorgt durch Karl Altheim. Bd.
1: 1897 bis 1914. — (Wiesbaden): Insel Verlag 1950).
Enthält einen Brief an F. R.: Berlin-Wilmersdorf, o. D., wohl Jan. 1898 (S. 3 f., Nr. 2) (vgl. A 277/1).
— , —: Westerwede, 12. 11. 1901. — Auszug in: Dokumente der Empfindsamkeit (A 50).
Rilke-Sammlung Richard von Mises, Harvard College Library, Cambridge (USA).
Enthält 23 Briefe an F. R.: 1. Berlin-Wilmersdorf, o. D., wohl Jan. 1898 (vgl. A 277/1, 278); 2. Prag, 9. 3. 1898 (unveröff.); 3. Viareggio, 12. 5. 1898 (unveröff.); 4. Zoppot, 18. 6. 1898 (unveröff.); 5. Zoppot, 27. 7. 1898 (unveröff.); 6. Schmargendorf, 29. 10. 1898 (unveröff.); 7. Schmargendorf, 10. 12. 1898 (unveröff.); 8. Arco (Südtirol), 9. 3. 1899 (unveröff.); 9. St. Petersburg, 19. 5. 1899 (vgl. A 276/1); 10. Schmargendorf, 27. 10. 1899 (unveröff.); 11. Schmargendorf, 24. 3. 1900 (unveröff.); 12. Worpswede, 2. 10. 1900 (unveröff.); 13. Schmargendorf, 2. 12. 1900 (unveröff.); 14. Schmargendorf, 21. 1. 1901 (unveröff.);
15. Bremen, 28. 4. 1901 (vgl. A 277/2); 16. Weittrwede, 1?,. I I 1901 (vgl. A 276/2, 277/3); 17. Westerwelle, I,”. 12 1901 (vgl A 276/3, 277/4); 18. Westerwede, 11. A. 1902 (vgl. A 27ü/4); 19. Schloß Haseldorf b. Uetersen, 6. 7. 1902 (unveröli.); 20. Wtlt« wede, 28. 7. 1902 (unveröff.); 21. Paris, 22. 12. 1902 (unveröff.); 22. Furuborg, Jousered b. Göteborg, 15. 10. 1904 (unveröff.); 23. Furuborg, Jousered b. Göteborg, 23. 10. 1904 (unveröff.). — Vgl, Katalog der Rilke-Sammlung Richard von Mises (A 333). S. 134. Nr. 551.
281. Rilke, Rainer Maria, Brief an Rolf Reventlow, Schmargendorf, 23. 7.
1899. — In: Rilke: Sämtliche Werke. (Hrsg. vom Rilke-Archiv in
Verbindung mit Ruth Sieber-Rilke, besorgt durch Ernst Zinn.)
Bd. 4. — (Frankfurt/M.): Insel-Verlag (1965), S. 935—937 (vgl. dazu
„Anmerkungen zu: zwei Briefe”, ebd. S. 944 f.).
Auszugsweise abgedruckt in: Manfred Schloesser: Wolfskehl (A 336). S. 186 f. (Nr. 223); Else Reventlow: Biographische Skizze (A 7). S. 16 f.
Rilke, Rainer Maria, Postkarte an Rolf Reventlow, Florenz, 16. 4.
1898, [mit einem Gedicht „Für Rolf Reventlow"]. — In: Rilke:
Sämtliche Werke. (Hrsg. vom Rilke-Archiv in Verbindung mit Ruth
Sieber-Rilke, besorgt durch Ernst Zinn.) Bd. 3. — (Wiesbaden): In
sel-Verlag 1963, S. 832 f., Anm.
Außerdem veröffentlicht in: Panorama (München). Sonderausg.: Freistaat Schwabing. (Juli 1958) S. 4 (vgl. A 177); Rainer Maria Rilke (A 335). S. 66 f., (Nr. 130).
Rilke, Rainer Maria: Konstanz.
[Gedicht vom März - Gedichtsammlung „Advent" (1898).] Das Gedicht hat Rilke F. Reventlow gewidmet.
Franziska zu Reventlow
Egbringhoff, Ulla 2000: Franziska zu Reventlow. Monographie. Reinbek/Hamburg
Faber, Richard 1993: Franziska zu Reventlow und die Schwabinger Gegenkultur. Köln
Fritz, Helmut 1980: Die erotische Rebellion. Das Leben der Franziska Gräfin zu Reventlow. Frankfurt
Kubitschek, Brigitta 1994: Franziska Gräfin zu Reventlow: 1871-1918. Ein Leben im Umbruch. Studien zu einer Biographie. Prien/Chimsee
Schaps, Regina 1987: Tragik und Erotik – Kultur der Geschlechter: Franziska Gräfin zu Reventlows “modernes Hetärentum”, in: Lipp, Wolfgang (Hg.): Kulturtypen, Kulturcharaktere: Träger, Mittler und Stifter von Kultur. Berlin. S. 79-96
Sperr, Franziska 1995: Die kleinste Fessel drückt mich unerträglich. Das Leben der Franziska zu Reventlow.
Fembio | Wikipedia | Münchner Stadtbibliothek [ Monacensia ] | Toolserver | Deutsche National Bibliothek
Literatur und Infos zu F.von Reventlow bei Zeno. | Deutsche Biographie | Stattreisen München
Eine kleine Biographie – Franziska Gräfin zu Reventlow
1871
18. Mai: Franziska (Fanny) Sophie Auguste Liane Adrienne Wilhelmine Gräfin zu Reventlow wird in Husum als fünftes von sechs Kindern des königlich-preußischen Landrates Ludwig Christian Detlev Friedrich Graf zu Reventlow und seiner Ehefrau Julia Anna Luise, geb. Gräfin zu Ratzau geboren.
1877
Beginn des ersten Unterrichts im Lesen und Schreiben durch die Mutter.
1878
Sommer: Beginn des Hausunterrichts durch wechselnde Gouvernanten (bis Ostern 1886).
1886
Ostern: Besuch des Freiadeligen Magdalenenstifts in Altenburg (Thüringen), einer privaten Mädcheninternatsschule für adlige Töchter.
1887
Ostern: Da sie mit den strengen Hausregeln in Konflikt geraten ist, muß sie das Magdalenstift verlassen.
Rückkehr nach Husum ins Elternhaus. Zeitweiliger Aufenthalt bei ihrer Tante Fanny Gräfin zu Rantzau, die sie fördert. Erster Malunterricht durch eine ausgebildete Künstlerin.
1889
Herbst: Nach der Pensionierung des Vaters zieht die Familie von Husum nach Lübeck um.
1890
1. Oktober: Eintritt in das Privat-Lehrerinnen-Seminar in Lübeck. Ausbildung zur Lehrerin. Intensiver Sprachunterricht in Englisch und Französisch.
Sie wird Mitglied des Ibsen-Klubs, eines geheimen Lesezirkels, in dem sie mit der modernen Literatur vertraut wird. Lektüre der Werke von Friedrich Nietzsche, Henrik Ibsen, Émile Zola, Lew Tolstoi, Iwan Turgenjew, Gerhart Hauptmann und August Bebel.
1892
9. April: Beendigung der Ausbildung mit dem Zeugnis der Befähigung für den Unterricht an mittleren und höheren Mädchenschulen.
Mai/Juni: Nach der Entdeckung ihrer Mitgliedschaft im Ibsen-Klub kommt es zum Eklat mit den Eltern.
August: Zwangsweiser Aufenthalt in einem Landpfarrhaus in Adelby bei Flensburg. Sie wird zur Hausarbeit und zur Pflege von Kranken herangezogen. Der Versuch zur Versöhnung mit dem Vater scheitert an dessen Unnachgiebigkeit.
1893
7. Januar: Erste Veröffentlichung eines Artikels in den »Husumer Nachrichten«.
1. April: Flucht aus dem Landpfarrhaus in Adelby zu Freunden in Wandsbeck.
Bekanntschaft und Verlobung mit dem Juristen Walter Lübke.
Ende August: Übersiedlung nach München, wo sie an der privaten Malakademie von Anton Azbe ein Malstudium aufnimmt, das ihr Verlobter finanziert. Sie verkehrt vor allem in Bohèmekreisen.
1894
22. Mai: Obwohl sie von ihrem polnischen Malerfreund Adolf Herstein schwanger ist, heiratet sie Walter Lübke, vor dem sie die Schwangerschaft verbirgt.
Übersiedlung nach Hamburg.
14. Juni: Fehlgeburt ihres Kindes, die sie vor ihrem Mann verheimlicht. Da sie zu spät einen Arzt hinzu zieht, leidet sie fortan an einer lebenslang anhaltenden gesundheitlichen Schwäche.
1895
Mai: Rückkehr nach München zur Fortsetzung des Malstudiums.
1896
Juli: Am Ende eines gemeinsamen Sommerurlaubs gesteht Franziska Lübke ihrem Mann ihr Doppelleben. Das Ehepaar trennt sich. Walter Lübke leitet das Scheidungsverfahren ein, Franziska kehrt nach München zurück.
Beginn der Mitarbeit an der neugegründeten satirischen Zeitschrift »Simplicissimus«.
1897
14. April: Scheidung von Walter Lübke.
Beginn der intensiven Übersetzungstätigkeit für den Verlag von Albert Langen in München. Im Laufe ihres Lebens übersetzt sie für Langen mehr als 50 Werke aus dem Französischen, u.a. von Guy de Maupassant, Marcel Prevost, Émile Zola und Anatole France.
Fortgesetzte Mitarbeit am »Simplicissimus« sowie Artikel für die »Frankfurter Zeitung« und die »Neue Rundschau«.
1. September: Geburt des Sohnes Rolf.
1898
Beginn der Mitarbeit an der Zeitschrift »Zürcher Diskußionen« von Oskar Panizza.
1899
August: Erste Begegnung mit Ludwig Klages. Durch ihn und seine Freunde Friedrich Huch, Alfred Schuler, Hans Hinrich Busse und den Mediziner und Psychiater Dr. Georg Meyer erlangt sie Zugang zum Kreis der »Kosmischen Runde«.
1900
Mai: Gemeinsam mit ihrem fast dreijährigen Sohn Rolf und ihrem Freund, dem Privatgelehrten, Paläontologen und Geologen Albrecht Hentschel, beginnt sie eine Reise durch Kleinasien nach Samos.
Beginn der Arbeit an dem autobiographischen Roman »Ellen Olestjerne«.
22. Dezember: Rückkehr nach München.
1901
Januar: Bekanntschaft mit Karl Wolfskehl. Durch ihn erhält sie Zugang zum Stefan-George-Kreis. Sie lernt Friedrich Gundolf, Wilhelm Dilthey, Franz Dülberg, Paul Stern, Albert Verwey u.a. kennen.
Bekanntschaft mit Ludwig Derleth, der zusammen mit seiner Schwester Anna Maria im Mittelpunkts eines religionsphilosophischen Zirkels steht.
Franziska zu Reventlow verkehrt bis 1904 in den drei Kreisen, hält aber kritischen Abstand.
1903
Ihr erster Roman »Ellen Olestjerne« erscheint.
Sie lernt den Schriftsteller, Dichter und Übersetzer Franz Hessel und den Kunstgewerbler, Puppenspieler und Glasmaler Bohdan von Suchocki kennen. Suchocki wird ihr neuer Lebensgefährte.
Herbst: Gemeinsam mit ihrem Sohn Rolf, Franz Hessel und Bohdan von Suchocki bildet sie eine Wohngemeinschaft in der Kaulbachstraße 63, dem sogenannten »Eckhaus«.
1904
Mitverfasserin des maschinenschriftlich vervielfältigten »Schwabinger Beobachters«, der die Geheimnisse der »Kosmischen Runde« dem Gelächter preisgibt.
August: Reise der »Eckhaus-Wohngemeinschaft« nach Forte dei Marmi an der italienischen Riviera.
26. September: Frühgeburt zweier Mädchen, von denen eines tot zur Welt kommt und das andere unmittelbar nach der Geburt stirbt. Franziska zu Reventlow und Bohdan von Suchocki, der Vater der Kinder, sind verzweifelt.
24. November: Rückkehr nach München.
1906
Das Wohngemeinschafts-Experiment scheitert. Gefühl von Heimatlosigkeit.
November: Gemeinsam mit ihrem Sohn Rolf reist Franziska zu Reventlow nach Gasturi in Griechenland (bis Februar 1907).
1907
Februar:Längerer Aufenthalt in Rom.
März: Rückkehr nach München. Existenzsorgen und schwere Erkrankung.
September: Ihr Lebensgefährte Bohdan von Suchocki verläßt München für immer und wandert in die USA aus. Sie korrespondiert noch bis Anfang 1909 mit ihm.
1910
1. Oktober: Franziska zu Reventlow verläßt München und reist über Berlin und Paris, wo sie alte Freunde besucht, nach Ascona im Tessin, wo sie bis 1916 lebt.
1911
16. Mai: Franziska zu Reventlow schließt mit dem baltischen Baron Alexander von Rechenberg-Linten einen Ehevertrag. Die Trauung folgt im Juni. Es handelt sich auf beiden Seiten um eine Scheinehe mit dem Ziel, nach dem Tod des Schwiegervaters einen Erbschaftscoup zu landen.
1912
»Von Paul zu Pedro« (Briefroman).
Oktober:Aufenthalt auf Mallorca gemeinsam mit ihrem Sohn Rolf (bis Mai 1913).
1913
»Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begegnungen in einem merkwürdigen Stadtteil« (Roman).
Mai: Nach dem Tod des Schwiegervaters erhält Franziska zu Reventlow 10.000 Schweizer Franken, weitere 40.000 Franken sollen später folgen.
1914
Frühjahr: Durch den großen Tessiner Bankkrach verliert sie die restliche Erbschaftssumme. Sie wendet sich wieder der Übersetzungstätigkeit zu und beginnt die Arbeit an einem neuen Roman.
1916
»Der Geldkomplex« (Briefroman).
Umzug von Ascona nach Muralto bei Locarno, um ihrem Lebensgefährten Mario Respini-Orelli, einem Rechtsanwalt aus einer angesehenen Tessiner Familie, näher zu sein.
1917
»Das Logierhaus ›Zur schwankenden Weltkugel‹« (Novellen und Skizzen).
Arbeit an ihrem letzten Romanprojekt »Der Selbstmordverein« (Fragment, postum veröffentlicht 1925).
1918
26. Juli: Franziska Gräfin zu Reventlow stirbt im Alter von 47 Jahren in der »Clinica Balli« in Locarno durch Herzversagen während einer Operation.
Franziska Gräfin zu Reventlow
(1871–1918)
Rainer Maria Rilke
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