An Hölderlin

Rainer Maria Rilke


Friedrich Hölderlin 1770 – 1843

An Hölderlin

Verweilung, auch
am Vertrautesten nicht,
ist uns gegeben;
aus den erfüllten
Bildern stürzt
der Geist zu plötzlich zu füllenden; Seen
sind erst im
Ewigen. Hier ist Fallen
das Tüchtigste.
Aus dem gekonnten Gefühl
überfallen hinab
ins geahndete, weiter.
Dir, du
Herrlicher, war, dir war, du Beschwörer, ein ganzes
Leben das
dringende Bild, wenn du es aussprachst,
die Zeile schloß
sich wie Schicksal, ein Tod war
selbst in der
lindesten, und du betratest ihn; aber
der vorgehende
Gott führte dich drüben hervor.
O du wandelnder
Geist, du wandelndster! Wie sie doch alle
wohnen im warmen
Gedicht, häuslich, und lang
bleiben im
schmalen Vergleich. Teilnehmende. Du nur
ziehst wie der
Mond. Und unten hellt und verdunkelt
deine nächtliche
sich, die heilig erschrockene Landschaft,
die du in
Abschieden fühlst. Keiner
gab sie
erhabener hin, gab sie ans Ganze
heiler zurück,
unbedürftiger. So auch
spieltest du
heilig durch nicht mehr gerechnete Jahre
mit dem
unendlichen Glück, als wär es nicht innen, läge
keinem gehörend
im sanften
Rasen der Erde
umher, von göttlichen Kindern verlassen.
Ach, was die
Höchsten begehren, du legtest es wunschlos
Baustein auf
Baustein: Es stand. Doch selber sein Umsturz
irrte dich
nicht.
Was, da ein
solcher, Ewiger, war, mißtraun wir
immer dem
Irdischen noch? Statt am Vorläufigen ernst
die Gefühle zu
lernen für welche
Neigung, künftig
im Raum? 
Rainer Maria Rilke
Johann Christian Friedrich Hölderlin 
* 20. März 1770 in Lauffen am Neckar, Herzogtum Württemberg,
† 7. Juni 1843 in Tübingen, Königreich Württemberg,


zählt zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern. Sein Werk lässt sich, in seiner Bedeutung innerhalb der deutschen Literatur um 1800, weder der Weimarer Klassik noch der Romantik zuordnen.

„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“
 

Betrifft
Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria
Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,

sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.
RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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