Der Fremde

Rainer Maria Rilke


Der Fremde
Ohne
Sorgfalt, was die Nächsten dächten, 
die er
müde nichtmehr fragen hieß, 
ging er
wieder fort; verlor, verließ -. 
Denn er
hing an solchen Reisenächten 
anders
als an jeder Liebesnacht. 
Wunderbare
hatte er durchwacht, 
die mit
starken Sternen überzogen 
enge
Fernen auseinanderbogen 
und sich
wandelten wie eine Schlacht; 
andre,
die mit in den Mond gestreuten 
Dörfern,
wie mit hingehaltnen Beuten, 
sich
ergaben, oder durch geschonte 
Parke
graue Edelsitze zeigten, 
die er
gerne in dem hingeneigten 
Haupte
einen Augenblick bewohnte, 
tiefer
wissend, dass man nirgends bleibt; 
und
schon sah er bei dem nächsten Biegen 
wieder
Wege, Brücken, Länder liegen 
bis an
Städte, die man übertreibt. 
Und dies
alles immer unbegehrend 
hinzulassen,
schien ihm mehr als seines 
Lebens
Lust, Besitz und Ruhm. 
Doch auf
fremden Plätzen war ihm eines 
täglich
ausgetretnen Brunnensteines 
Mulde
manchmal wie ein Eigentum. 
Rainer
Maria Rilke

Frühsommer 1908, Paris

Ich kann mir
kein seligeres Wissen denken,
als dieses Eine:
dass man ein Beginner werden muss.
Einer, der das
erste Wort schreibt
hinter einen
jahrhundertelangen Gedankenstrich.
Rainer Maria
Rilke
[4. Dezember
1875 – 29. Dezember 1926]
war, im Bereich
der deutschen Sprache,

einer der
bekanntesten und wichtigsten Lyriker. 

„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Betrifft
Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria
Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,

sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.
RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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