Sudelbüchle | Jens Peter Jacobsen und ein viel verwendeter Spruch ….

Rainer Maria Rilke


Jens Peter
Jacobsen !
Eigentlich geht
es um den Rilke zugesagten besser untergeschobenen Spruch
Den ich auch
schon gerne einmal verwendet habe der da lautet:
„Wenn ihr mich sucht,

sucht mich in euren Herzen.

Habe ich dort eine Bleibe gefunden, werde ich immer bei euch sein.“

Tatsache ist: Rainer Maria Rilke verwende den Spruch in ähnlicher Form und zwar in
seine Monographie Worpswede.
„Worpswede.“
 Als Rainer Maria Rilke die Monographie über seine
Künstlerfreunde schrieb war er 
ca. 10 Jahre Jünger als seine Künstlerfreunde, etwas
dem Moderneren aufgeschlossen, etwas zeitgemäßer als die beschriebenen
Maler. 
Paris, war zu dieser Zeit der Mittelpunkt der Kunst

Clara und Paula waren eben aus Paris zurückgekehrt, Paula Moderson Becker hatte
Cezanne in Paris gesehen und Clara Westhoff, Rilkes spätere Ehefrau wollte bei
Rodin studieren. 

Moderne junge Frauen die eigentlich so gar nichts mit
den Moorbildern der damaligen Künstler zu tun hatten, nur immer noch war es
Frauen verwehrt Kunst zu bestimmen, das war zu dieser Zeit Männersache.
Rainer Maria Rilke,
der ja „Kunst“ studiert hatte, sagte aber schon in im Eingang
zu
seiner Worpsweder Monographie:  
Dieses Buch vermeidet es zu
richten. 
Die fünf Maler, von denen es
handelt, sind Werdende. 
Was mir bei der Betrachtung eines
jeden Einzelnen vorbildlich war,
lautet mit Jacobsens Worten: 

»Du sollst nicht gerecht sein
gegen ihn;
denn wohin kämen die Besten von uns mit der Gerechtigkeit;
nein; 
aber denke an ihn, wie er die
Stunde war, da du ihn am tiefsten liebtest“….

Jens Peter Jacobsen in Niels Lyhne
Daher also – aber nur in ähnlicher Form.
Der original Text aus Niels Lyhne lautete:
»Du sollst nicht gerecht gegen ihn sein; 

denn wohin würden die Besten von uns mit Gerechtigkeit kommen; nein, aber denke an ihn, wie er in der Stunde war, als du ihn am heißesten liebtest« ….


Der Urheber dieses Spruchs den Rainer Maria Rilke so in seiner
Worpsweder Monographie zitierte war also  Jens Peter Jacobsen
in seinem Roman „Niels Lyhne“ im 11. Kapitel, geich mehr hierzu*.
Mein eBook.
Niels Lyhnehier als kleines e Book von mir zum Download.
Jens Peter Jacobsen

Jens Peter Jacobsen  
* 7. April 1847 in Thisted,
† 30. April 1885 Thisted, war ein dänischer
Schriftsteller.
Die Lyrik Jacobsens, die die feinsten Seelenregungen
und Naturstimmungen des Dichters sehr genau wiedergibt, hatte großen Einfluss
auf Rainer Maria Rilke. 

Stimmen zu Jens Peter Jacobsen:
Der Wiener Komponist Arnold Schönberg vertonte Jacobsens Gurre-Lieder. 



Der englische Komponist Frederick Deliusvertonte in seiner letzten Oper Fennimore und Gerda (1908–1910; Uraufführung 1919 in Frankfurt am Main) Szenen aus Jacobsens Roman Niels Lyhne. 


Die Lyrik Jacobsens, 
die die feinsten Seelenregungen und Naturstimmungen des Dichters sehr genau wiedergibt, hatte großen Einfluss auf Rainer Maria Rilke


Auch Stefan George, ebenso wie Rilke des Dänischen mächtig, hat 
Jens Peter Jacobsen mit großer Begeisterung gelesen. 


Jacobsen, den man ein Jahrhundert lang in Dänemark durch naturalistische Reduktion missverstand, war ein wichtiger Vorläufer der deutschen Symbolisten. 
So ist beispielsweiseThomas Manns Tonio Kröger deutlich von Jacobsens Niels Lyhne beeinflusst.  Positiv bezieht sich auch der Dichter Gottfried Benn in seinem Gespräch
von 1910 auf Jacobsen.



*Nun zum Text aus dem Kapitel 11 des Romans Niels Lyhne aus dem der Spruch Rilkes stammt:

Jens Peter Jacobsen:
Niels Lyhne – Kapitel 11
  [Auszug zum Text]
Zürne nicht,
Fennimore, aber ich fürchte, daß du und Erich nicht gut zueinander seid.
Kann
das nicht anders werden?
Denke nicht daran, wer recht hat, auch nicht an die
Größe des Unrechts;
du sollst nicht gerecht gegen ihn sein;
denn wohin würden
die Besten von uns mit Gerechtigkeit kommen;
nein, aber denke an ihn, wie er in
der Stunde war, als du ihn am heißesten liebtest

Glaube mir, er ist dessen
würdig, du sollst nicht messen, nicht abwägen; es gibt Augenblicke in der
Liebe, das weiß ich, voll von einer lichten, hoheitsvollen Ekstase, wo man,
wenn es verlangt würde, sein Leben für den Geliebten opfern könnte. Nicht wahr?
Denke jetzt daran, Fennimore, vergiß es nicht, sowohl seinetwillen wie
auch deinetwegen.« ~
Jens Peter Jacobsen
Den Spruch:
Wenn du an mich
denkst,
erinnere dich an die Stunde, in welcher du mich am liebsten hattest,
fälschlich Rainer Maria Rilke zugeordnet, gibt es in weiteren Abwandlungen:
Zum
Beispeil aus einem Gedicht von Michelangelo Buonarroti,
dem berühmten Michelangelo: 
Es
sandte mir das Schicksal tiefen Schlaf. 
Ich
bin nicht tot, 
Ich
tausche nur die Räume. 
Ich
leb in euch 
und
geh in eure Träume 
Da
uns, die wir vereint 
Verwandlung
traf. 
Ihr
glaubt mich tot, 
Doch
dass die Welt ich tröste 
Leb
ich mit tausend Seelen dort 
An
einem wunderbaren Ort 
Im
Herz der Lieben. 
Nein,
ich ging nicht fort, 
Unsterblichkeit
vom Tode mich erlöste. 
 
Michelangelo
(1475 – 1564), 
eigentlich Michelagniolo di Ludovico di Lionardo di Buonarotti, 
italienischer
Bildhauer, Maler, Baumeister und Dichter
…ICH BIN NICHT
TOT…
Qui vuol mie
sorte c’anzi tempo i‘ dorma:
Nè son già
morto: e ben c‘ albergo cangi,
resto in te
vivo, c‘ or mi vedi e piangi;
se l’un nell‘
altro amante si trasforma.
Qui son morto
creduto; e per conforto
del mondo vissi,
e con mille alme in seno
di veri amanti:
adunche, a venir meno,
per tormen‘ una
sola non son morto.
Michelangelo
Buonarroti, 1475-1564 – Rime 194
Rainer Maria Rilke übertrug die Gedichte Michelangelos mit dem Titel:

DICHTUNGEN DES MICHELANGELO
Übertragen von Rainer Maria Rilke.
Insel Bücherei.
Buch Dichtungen des Michelangelo
in einem Post vom 24. Dezember 2013 meines Blogs: 


Im Internet
kursieren viele Abwandlungen des Spruches:
Wenn ihr mich sucht,
sucht mich in euren Herzen.
Habe ich dort eine Bleibe gefunden,
werde ich immer bei euch sein.
Mit einem Zitat
von Immanuel Kant möchte ich diesen Artikel nun doch zum Ende bringen.
Wer im
Gedächtnis seiner Lieben lebt,
der ist nicht
tot, der ist nur fern.
Tot ist nur, wer
vergessen wird.
Immanuel Kant
„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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