Sudelbüchle | Personen um und mit Rainer Maria Rilke

Rainer Maria Rilke


aus meinem Sudelbüchle zu Jens Peter Jacobsen.
JENS PETER JACOBSEN
1847 – 1885

– Jens Peter Jacobsen  
* 7. April 1847 in Thisted,
† 30. April 1885 Thisted, war ein dänischer
Schriftsteller.
Die Lyrik Jacobsens, die die feinsten Seelenregungen
und Naturstimmungen des Dichters sehr genau wiedergibt, hatte großen Einfluss
auf Rainer Maria Rilke. –

Einflüsse Jens Peter Jacobsns auf andere Autoren sind bezeugt.
Herman Bang in Kopenhagen feierte
ihn,
und die deutschen Lyriker und Erzähler Hugo von Hof
mannsthal,

Stefan George, Max Dauthendey und Detlev von Liliencron rühmten 
ihn sehr.

Dasselbe gilt von Stefan Zweig, der 1925 über ihn schrieb, man habe

diesen großen
Dänen „damals geliebt wie keinen anderen“.
Stefan Zweig wollte sogar mit einigen
Freunden Dänisch lernen,
um den Hauptroman Jacobscns (Niels 
Lyhne) „im
Original lesen und damit noch einmal,
noch stärker vergöttern zu 
können“.

Noch
leidenschaftlicher war die Bewunderung, die Rainer Maria Rilke für
Jens Peter Jacobsen hegte.
Im Jahre 1908 fragte der Wiener Buchhändler Hugo Heller
einige hervorragende
Repräsentanten des Geisteslebens
(unter ihnen auch Sigmund 
Freud) nach
ihren Licblingsbüchern in der Weltliteratur.

Rainer Maria Rilke, der zu den Befragten gehörte,
antwortete:
„Die Antwort ist leicht – Jacobsens schöne und un
erschöpfliche
Bücher sind es,
die bestimmend auf mich gewirkt haben.“
Und 
1929 schrieb
Rilke in seinen Briefen an einen jungen Dichter
(Franz Xaver Kap
pus): 


„Von allen
meinen Büchern sind mir nur wenige unentbehrlich, und zwei
sind sogar immer
unter meinen Dingen, wo ich auch bin, die Bücher des großen
dänischen
Dichters Jens Peter Jacobsen.“
Rainer Maria Rilke meinte
sogar, er habe an diesem Autor geradezu
Unbeschreibliches erlebt.
Das mag
bei der offenkundigen Seelenverwandtschaft dieser beiden Poe
ten
durchaus
verständlich sein.
Überraschend ist jedoch, daß Sigmund Freud im 
Vorfeld der
Ausarbeitung seiner
Psychoanalyse am 16. Oktober 1895 an seinen 
Berliner Freund
Wilhelm Fliess schrieb,
der Roman Niels Lyhne habe ihm „tiefer 
ins Herz
geschnitten als irgend eine
Lektüre der letzten neun Jahre.“
Man sieht: 
Auch der
Begründer der Tiefenpsychologie empfand eine außerordentlich
hohe 
Wertschätzung
für Jens Peter Jacobsen.

Biographisches.
– Jacobscn gehört zu den sogenannten Frühvollendeten. 
Er wurde 1847 geboren
und starb schon im Jahre 1885.
So waren ihm nur 38 Jahre Lebenszeit 
bcschieden;

daher ist sein literarisches Werk eher schmal geworden.

Zitate von Jens Peter Jacobsen:

„Der Glaube an einen lenkenden, strafenden Gott ist die letzte große Illusion der Menschheit, und was, wenn auch diese verloren ist? Dann ist sie klüger geworden –
aber reicher, glücklicher?“  A
us – Niels Lyhne


„Sie ahnen nicht, wie zart und rein das Leben eines jungen Mädchens ist bis zur Zeit der ersten Liebe.“  Aus – Niels Lyhne / Frau Boye


„Weshalb können wir denn nicht natürlich sein? 
Oh, ich weiß sehr wohl, uns fehlt nur der Mut.“  Aus – Niels Lyhne.

Niels Lyhne – Kapitel 11 

Zürne nicht,
Fennimore, aber ich fürchte, daß du und Erich nicht gut zueinander seid. Kann
das nicht anders werden? 
Denke nicht daran, wer recht hat, auch nicht an die
Größe des Unrechts; 
„Du sollst nicht gerecht gegen ihn sein; denn wohin würden
die Besten von uns mit Gerechtigkeit kommen; nein, aber denke an ihn, wie er in
der Stunde war, als du ihn am heißesten liebtest.“ 
Glaube mir, er ist dessen
würdig, du sollst nicht messen, nicht abwägen; es gibt Augenblicke in der
Liebe, das weiß ich, voll von einer lichten, hoheitsvollen Ekstase, wo man,
wenn es verlangt würde, sein Leben für den Geliebten opfern könnte. Nicht wahr?
Denke jetzt daran, Fennimore, vergiß es nicht, sowohl seinetwillen wie
auch deinetwegen.«
JENS PETER JACOBSEN
„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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