Wenn es wieder Mondnacht wird ….

Rainer Maria Rilke


Louis Douzette
Winterlandschaft im Vollmond
….
Wir
wollen, wenn es wieder Mondnacht wird,
die
Traurigkeit zu großer Stadt vergessen
und
hingehn und uns an das Gitter pressen,
das
von dem versagten Garten trennt.
Wer
kennt ihn jetzt, der ihn am Tage traf:
mit
Kindern, lichten Kleidern, Sommerhüten, –
wer
kennt ihn so: allein mit seinen Blüten,
die
Teiche offen, liegend ohne Schlaf.
Figuren,
welche stumm im Dunkel stehn,
scheinen
sich leise aufzurichten,
und
steinerner und stiller sind die lichten
Gestalten
an dem Eingang der Alleen.
Die
Wege liegen gleich entwirrten Strähnen
nebeneinander,
ruhig, eines Zieles.
Der
Mond
ist zu den Wiesen unterwegs;
den
Blumen fließt der Duft herab wie Tränen.
Über
den heimgefallenen Fontänen
stehn
noch die kühlen Spuren ihres Spieles
in
nächtiger Luft.

Rainer
Maria Rilke
Herbst 1902, Paris
Vollmond ist am:
Montag 22.
Februar 2016 19:19:54 Uhr
Mitteleuropäische
Zeit (MEZ)
„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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