Rilke und die Kunst ….

Rainer Maria Rilke


Eindringen der
Farbe in die Sprache 
und zwei Zitate ….
PAUL CÉZANNE
Das Haus des Gehängten, bei Auvers. 1873 ( *1 )
„Der Tag wird kommen, 
wo eine einzige Mohrrübe,
die ein Maler so mit Maleraugen gesehen hat, 
eine Revolution hervorbringen
kann.“  Paul Cézanne 1839-1906. ]
Zwei
Zitate. 
Künstler sein
heißt: 
nicht rechnen und zählen; 
reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht
drängt 
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht 
ohne die Angst, daß
dahinter kein Sommer kommen könnte. 
Er kommt doch. 
Aber er kommt nur zu den
Geduldigen, 
die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, 
so sorglos still
und weit. 
Ich lerne es täglich, lerne es unter Schmerzen,
denen ich dankbar
bin: Geduld ist alles!
Das Anschauen ist eine so wunderbare Sache, 
von der wir so wenig wissen; wir sind mit ihm ganz nach außen gekehrt, 
aber gerade, wenn wirs am meisten sind, 
scheinen in uns Dinge vor sich zu gehen, die auf das Unbeobachtetsein sehnsüchtig gewartet haben.
Rainer Maria Rilke, Foto, um 1900
Cézannes Einfluss auf Rainer Maria Rilke.


„Wenn ich mich erinnere, wie befremdet und unsicher man die ersten Sachen sah“, 
schrieb Rainer Maria Rilke an seine Frau nach der Besichtigung der große CézanneRetrospektive im Pariser Salon d’Automne von 1907, auf die ihn Paula Modersohn-Becker aufmerksam gemacht hatte: „[…] 
lange nichts und plötzlich hat man die richtigen Augen.“ 

Rilke machte mit dieser Aussage sein großes Interesse an der Malerei deutlich, von der er sich Lösungen für seine schriftstellerischen Probleme erhoffte: „Es ist gar nicht die Malerei, die ich studiere […]. 

Es ist die Wendung in dieser Malerei, die ich erkannte, weil ich sie selbst eben in meiner Arbeit erreicht hatte. 
“ Bei Cézanne sah er, wie die „Stimmungsmalerei“ überwunden werden konnte. 

dies entsprach seiner Auffassung vom Dichten, die in den Neuen Gedichten schon umgesetzt wurde. Nach der Ausstellung setzte er Der Neuen Gedichte anderer Teil fort, an der die Anwendung des Prinzips vom „sachlichen Sagen“ in dem Gedicht: 
Die Flamingos, deutlich wird.

Die Flamingos 
Jardin de Plantes, Paris

In Spiegelbildern wie von Fragonard 
ist doch von ihrem Weiß und ihrer Röte 
nicht mehr gegeben, als dir einer böte, 
wenn er von seiner Freundin sagt: 
sie warnoch sanft von Schlaf. 

Denn steigen sie ins Grüne 
und stehn, auf rosa Stielen leicht gedreht, 
beisammen, blühend, wie in einem Beet, 
verführen sie verführender als Phryne

sich selber; bis sie ihres Auges Bleiche 
hinhalsend bergen in der eignen Weiche, 
in welcher Schwarz und Fruchtrot sich versteckt.

Auf einmal kreischt ein Neid durch die Volière; 
sie aber haben sich erstaunt gestreckt 
und schreiten einzeln ins Imaginäre. 

Rainer Maria Rilke, 

Herbst 1907, Paris, 
oder Frühling 1908, Capri

Dass Rilke nicht der einzige modernistische Autor war, 
für den die Frage nach den unterschiedlichen Formen und Funktionen 
von Bildern und Bildlichkeit in der Literatur zentrale Bedeutung erlangte, 
wird unter anderem auch in der Auswirkung auf die Literatur um 1900 beispielsweise in den Werken Hugo von Hofmannsthals mit dem 
„Eindringen der Farbe in die Sprache“ deutlich. 

(1*) Werkbesprechung des Bildes von Paul Cézanne:
„Das Haus des Gehängten“ 
im Musee d’Orsay.
„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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