Da wechselt um die alten Inselränder….

Rainer Maria Rilke


Joseph Mallord William Turner 17751851. England



Da wechselt um die alten Inselränder….



Da wechselt um die alten Inselränder
Das winterliche Meer sein Farbenspiel
Und tief im Winde liegen irgend Länder
Und sind wie nichts. Ein Jenseits, ein Profil;


Nicht wirklicher als diese rasche Wolke,
Der sich das Eiland schwarz entgegenstemmt.
Und da geht einer unterm Insel-Volke
Und schaut in Augen und ist nichts als fremd.


Und schaut, so fremd er ist, hinaus, hinüber,
Den Sturm hinein; zwar manchen Tag ist Ruh;
Dann blüht das Land und lächelt noch. Worüber?
Und die Orangen reifen noch. Wozu?


Was müht der Garten sich ihn zu erheitern
Den Fremden, der nichts zu erwarten schien,
Und wenn sich seine Augen auch erweitern
Für einen Augenblick -: Er sieht nicht ihn.


Wenn er vom Vorgebirge in Gedanken
Des Meeres winterliches Farbenspiel
Und in den Himmeln ferner Küsten Schwanken
Manchmal zu sehen glaubt: Das ist schon viel.


Rainer Maria Rilke


Gedichte | Nachlass | Entwürfe | Capreser Aufzeichnungen
Capri, 15. Dezember 1906

„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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