Die Nacht der Frühlingswende

Rainer Maria Rilke


Vincent van Gogh, 
Sternenennacht über der Rhone. 1888, Musee d’Orsay

֎
Die Nacht der
Frühlingswende
(Capri, 1907)
Ein Netz von
raschen Schattenmaschen schleift
über aus Mond
gemachte Gartenwege,
als ob
Gefangenes sich drinnen rege,
das ein
Entfernter groß zusammengreift.
Gefangner Duft,
der widerstrebend bleibt.
Doch plötzlich
ists, als risse eine Welle
das Netz entzwei
an einer hellen Stelle,
und alles fließt
dahin und flieht und treibt….
Noch einmal
blättert, den wir lange kannten,
der weite
Nachtwind in den harten Bäumen;
doch drüber
stehen, stark und diamanten,
in tiefen
feierlichen Zwischenräumen,
die großen
Sterne einer Frühlingsnacht.
Rainer Maria Rilke
Geliebtsein
heißt aufbrennen. 
Lieben ist: Leuchten mit unerschöpflichem Öle. 
„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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