Mondnacht

Rainer Maria Rilke


Christian Morgenstern (Maler)
Mondaufgang über Helgoland 1851

Mondnacht
Weg in den
Garten, tief wie ein langes Getränke,
leise im weichen
Gezweig ein entgehender Schwung.
Oh und der Mond,
der Mond, fast blühen die Bänke
von seiner
zögernden Näherung.
Stille, wie
drängt sie. Bist du jetzt oben erwacht?
Sternig und
fühlend steht dir das Fenster entgegen.
Hände der Winde
verlegen
an dein nahes
Gesicht die entlegenste Nacht.
Rainer Maria
Rilke
Anfang Juli 1911, Paris
Gedichte 1906
bis 1926.
Aus: Sammlung der verstreuten und nachgelassenen Gedichte
aus den mittleren und späten Jahren.
„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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