Aloys Blumauer

Semsakrebsler


Mond über‘ m See

An den Mond
Herr Mond, von
mir erwart‘ er nicht,
Daß ich nach
Dichterweise
Nun auch sein
Alletagsgesicht
Aus vollen
Backen preise.
Ich habe lang
ihn observirt,
Und wahrlich
wenig ausgespürt,
Was ihm gedieh‘
zur Ehre,
Und lobenswürdig
wäre.
Da pflegt er,
wie ein kleines Kind,
Mit seinem Licht
zu prahlen;
Allein, man weiß
ja wohl, es sind
Nur seines
Weibes Strahlen.
Wär‘ nicht sein
Weib, es ging ihm dann
Gewiß wie
manchem Ehemann,
Den Niemand
regardirte,
Wenn nicht sein
Weib brillirte.
Und glaub‘ er ja
nicht, daß dies Licht
Ihn so besonders
kleide;
Er hat darin ein
bleich‘ Gesicht,
Als wär’s gemalt
mit Kreide,
Und gleichet
dann bald einem Stier,
Bald einem
Becken vom Barbier,
Und wird er voll
und heller,
Gar einem
Suppenteller.
Mit seinem Weib
führt er von je
Ein skandalöses
Leben;
Kann man den
Männern in der Eh‘
Ein schlechter
Beispiel geben?
Kaum kömmt Madam
nach Haus, so rennt
Er fort, und
geht am Firmament
Die ganze Nacht
spazieren,
Um sie nicht zu
geniren.
Kein Hahnrei
noch auf Erden war
So ein publiker
Lappe.
Oft steckt er
seinen Hauptschmuck zwar
In eine
Nebelkappe;
Allein vergißt
er die zu Haus,
So geht er auch
mit Hörnern aus,
Daß manchen, die
ihn sehen,
Die Augen d’rob
vergehen.
Und macht Madam
ihm dann und wann
Zu Haus zu viele
Schwänke,
So geht er, wie
so mancher Mann,
In der Frau
Thetis Schenke,
Ersäuft im Meere
seinen Groll,
Und kömmt nicht
selten toll und voll
Zurück vom
vollen Glase
Mit einer
Kupfernase.
Bei all‘ dem
Hauskreuz sucht er doch
Stets Herzen zu
erweichen,
Und ist nebst
allem diesem noch
Ein Kuppler ohne
gleichen:
Er hält dem
liebenden Gezücht
Bei dunkler
Nacht so lang das Licht,
Bis oft die
guten Lappen
Aus Inbrunst
sich verschnappen.
Und dieser
Liebeshehlerei
Geheimer
Liebsgeschichtchen
Verdankt er
manche Räumerei,
Und manches
Lobgedichtchen;
Allein bei mir
trägt’s ihm nichts ein;
Denn auch ohn‘
allen Hörnerschein
Verstehen uns’re
Schönen
Sich gut genug
auf’s Krönen.
Johann Aloys
Blumauer
Johann Aloys
Blumauer

Blumauer *1755
†1798 – Österreichischer Dichter


Gedicht aus der Sammlung Satyrische, scherzhafte und erotische Gedichte





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