Kalenderblatt – April

Rainer Maria Rilke


Heinrich Vogeler, An den Frühling.
 [Radierungen ]

April


Weiß die Natur noch den Ruck, 
da sich ein Teil der Geschöpfe 
abriß vom stätigen Stand? 
Blumen, geduldig genug, 
hoben nur horchend die Köpfe, 
blieben im Boden gebannt.


Weil sie verzichteten auf 
Gang und gewillte Bewegung,  
stehn sie so reich und so rein.  
Ihren tiefinneren Lauf, 
voll von entzückter Erregung, 
holt kein Jagender ein.


Innere Wege zu tun 
an der gebotenen Stelle, 
ist es nicht menschliches Los?  
Anderes drängt den Taifun,  
anderes wächst mit der Welle –, 
uns sei Blume-sein   groß.


Rainer Maria Rilke

Heinrich Vogeler
An den Frühling 10 Radierungen





1895 hatte Heinrich Vogeler das Haus Barkenhoff in Worpswede erworben, in der Künstlerkolonie, in der sich Maler und Dichter der Zeit, Otto Modersohn,
Paula Modersohn- Becker, Fritz Overbeck, Carl Hauptmann, Rainer Maria Rilke und andere, begegneten.

Im Gründungsjahr der Insel 1899 (Insel-Verlag) erschienen zehn Radierungen Vogelers unter dem Titel: „An den Frühling“, mit denen der Künstler, der später für den Insel Verlag zahlreiche Bücher illustrieren sollte, zuerst berühmt wurde. 


In zarten Grüntönen gehalten, fangen die Bilder die beglückende Stimmung des Frühlings ein, mit Genreszenen und Landschaftsporträts.

Rainer Maria Rilke hat Heinrich Vogeler und seine Kunst in einem poetischen Essay charakterisiert.  (Rilke : Worpswede)


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„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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