Das Gold

Rainer Maria Rilke


Das Gold
Denk es wäre nicht: es hätte müssen 
endlich in den Bergen sich gebären 
und sich niederschlagen in den Flüssen 
aus dem Wollen, aus dem Gären 
ihres Willens; aus der Zwang-Idee, 
dass ein Erz ist über allen Erzen. 
Weithin warfen sie aus ihren Herzen 
immer wieder Meroë 
an den Rand der Lande, in den Äther, 
über das Erfahrene hinaus; 
und die Söhne brachten manchmal später 
das Verheißene der Väter, 
abgehärtet und verhehrt, nachhaus; 
wo es anwuchs eine Zeit, um dann 
fortzugehn von den an ihm Geschwächten, 
die es niemals liebgewann. 
Nur (so sagt man) in den letzten Nächten 
steht es auf und sieht sie an. 
Rainer Maria Rilke

zwischen dem 22.8. und 5.9.1907, Paris
Aus: Der neuen Gedichte anderer Teil

A mon grand Ami Auguste Rodin. 
„Vergessen Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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