Gedichte – Der Blinde

Rainer Maria Rilke


Der Blinde

Paris
Sieh, er geht
und unterbricht die Stadt, 
die nicht ist
auf seiner dunkeln Stelle, 
wie ein dunkler
Sprung durch eine helle 
Tasse geht. Und
wie auf einem Blatt 
ist auf ihm der
Widerschein der Dinge 
aufgemalt; er
nimmt ihn nicht hinein. 
Nur sein Fühlen
rührt sich, so als finge 
es die Welt in
kleinen Wellen ein 
eine Stille,
einen Widerstand -, 
und dann scheint
er wartend wen zu wählen: 
hingegeben hebt
er seine Hand, 
festlich fast,
wie um sich zu vermählen. 
Rainer Maria
Rilke

21.8.1907, Pari

Aus: Der neuen
Gedichte anderer Teil

A mon grand Ami
Auguste Rodin.
„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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