Aus Dichtungen des Michelangelo, Übersetzung Rainer Maria Rilke

Rainer Maria Rilke


Dichtungen des Michelangelo


~. Michelangelo .~
Michelangelo Buonarroti. 
Wenn
durch belebten Stein die Kunst vermag
ihr Antlitz Tag
für Tag
im Gleichen
hinzuhalten; sollte nicht
der Himmel erst,
da sie von seiner Hand,
wie dies von
meiner ist, so viel Bestand
ihr leihn, daß
sie (nicht nur für mein Gesicht)
nicht menschlich
mehr, als Göttin sich erhielte?
Und doch geht
alles hin und währt nur kurz.
Mir scheint, daß
ich im „Wichtigsten verspielte,
wenn da ein
Stein besteht nach ihrem Sturz.
Wer wird dies
rächen? Einzig die Natur.
Denn was sie
wirkt, geht mit der Zeit; und nur,
was ihre Kinder
wirken, hat hier Dauer.
So
weit über mich
machst du mich,
Herrin, steigen.
Worte sind mir
nicht eigen
dafür, nicht
Gedanken; ich bin doch nicht mehr
dasselbe ich.
Da ich denn
länger von hier,
wenn du mir
Flügel nicht leihst,
nicht mich
erschwinge und flieg zu deines
Angesichts
Geist,
gib, daß ich
bleibe bei dir;
wenn es erhört
sich erwies,
daß je ein
Sterblicher mit steige ins Paradies.
Darf es nicht
sein, o so trenn
mich von der
Seele durch Tod.
Daß ich die
Seligkeit kenn
wenigstens
einmal
in der mit dir
entfliehenden.
Aus: Dichtungen des
Michelangelo, Übersetzung Rainer Maria Rilke.


Lieben
und wie mag die Liebe dir kommen sein?
Kam sie wie ein Sonnen, ein Blütenschein,
kam sie wie ein Beten? – Erzähle:
Ein Glück löste leuchtend aus Himmeln sich los
und hing mit gefalteten Schwingen gross

an meiner blühenden Seele ….


„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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