Rosengedichte

Rainer Maria Rilke



Pierre Auguste Renoir
Rosenhain

Immer den gleichen Pfad
Ich
geh jetzt immer den gleichen Pfad: 
am
Garten entlang, wo die Rosen grad 
Einem
sich vorbereiten; 
aber
ich fühle: noch lang, noch lang 
ist
das alles nicht mein Empfang, 
und
ich muss ohne Dank und Klang 
ihnen
vorüberschreiten.
Ich
bin nur der, der den Zug beginnt,
dem
die Gaben nicht galten;
bis
die kommen, die seliger sind,
lichte,
stille Gestalten, –
werden
sich alle Rosen im Wind
wie
rote Fahnen entfalten.
Rainer
Maria Rilke
30.4.1898 , Florenz – Torre al Gallo
Aus: Mir zur Feier
Das XXI. Sonett
Singe
die Gärten, mein Herz, die du nicht kennst; wie in Glas 
eingegossene
Gärten, klar, unerreichbar. 
Wasser
und Rosen von Ispahan oder Schiras, 
singe
sie selig, preise sie, keinem vergleichbar. 
Zeige,
mein Herz, dass du sie niemals entbehrst. 
Dass
sie dich meinen, ihre reifenden Feigen. 
Dass
du mit ihren, zwischen den blühenden Zweigen 
wie
zum Gesicht gesteigerten Lüften verkehrst. 
Meide
den Irrtum, dass es Entbehrungen gebe 
für
den geschehnen Entschluss, diesen: zu sein! 
Seidener
Faden, kamst du hinein ins Gewebe. 
Welchem
der Bilder du auch im Innern geeint bist 
(sei
es selbst ein Moment aus dem Leben der Pein), 
fühl,
dass der ganze, der rühmliche Teppich gemeint ist. 
Rainer
Maria Rilke
zwischen dem 17. und 23.2.1922, Chateau de Muzot
Aus: Sonette an Orpheus. Erster Teil.

Rosengedichte im Rosenmonat Juni ]

„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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