Es winkt zu Fühlung fast aus allen Dingen

Rainer Maria Rilke


Es winkt zu Fühlung fast aus allen Dingen
Es winkt zu
Fühlung fast aus allen Dingen,
aus jeder
Wendung weht es her: Gedenk!
Ein Tag, an dem
wir fremd vorübergingen,
entschließt im
künftigen sich zum Geschenk.
Wer rechnet
unseren Ertrag? Wer trennt
uns von den
alten, den vergangnen Jahren?
Was haben wir
seit Angebinn erfahren,
als dass sich
eins im anderen erkennt?
Als dass an uns
Gleichgültiges erwarmt?
O Haus, o
Wiesenhang, o Abendlicht,
auf einmal
bringst du’s beinah zum Gesicht
und stehst an
uns, umarmend und umarmt.
Durch alle Wesen
reicht der eine Raum:
Weltinnenraum.
Die Vögel fliegen still
durch uns
hindurch. O, der ich wachsen will,
ich seh hinaus,
und in mir wächst der Baum.
Ich sorge mich,
und in mir steht das Haus.
Ich hüte mich,
und in mir ist die Hut.
Geliebter, der
ich wurde: an mir ruht
der schönen
Schöpfung Bild und weint sich aus.
Rainer Maria
Rilke
August/September
1914,
München oder Irschenhausen
Aus: Gedichte 1910 – 1922.
„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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