In einem fremden Park

Rainer Maria Rilke


Rainer Maria Rilke Borgeby 1904


In einem fremden Park

Borgeby-Gård
Zwei
Wege sinds.     Sie führen keinen hin. 
Doch
manchmal, in Gedanken, lässt der eine 
dich
weitergehn.     Es ist, als gingst du fehl; 
aber
auf einmal bist du im Rondel 
alleingelassen
wieder mit dem Steine 
und
wieder auf ihm lesend: Freiherrin 
Brite
Sophie – und wieder mit dem Finger 
abfühlend
die zerfallne Jahreszahl -. 
Warum
wird dieses Finden nicht geringer? 
Was
zögerst du ganz wie zum ersten Mal 
erwartungsvoll
auf diesem Ulmenplatz, 
der
feucht und dunkel ist und niebetreten? 
Und
was verlockt dich für ein Gegensatz, 
etwas
zu suchen in den sonnigen Beeten, 
als
wärs der Name eines Rosenstocks? 
Was
stehst du oft? Was hören deine Ohren? 
Und
warum siehst du schließlich, wie verloren, 
die
Falter flimmern um den hohen Phlox. 

Rainer
Maria Rilke
Juli 1906, Paris

Aus: Neue GedichteKarl
und Elisabeth von der Heydt in Freundschaft 

„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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