Liebeslied

Rainer Maria Rilke



Flitterwochen in Venedig
Jean Lecomte du Nouÿ – 1875


Liebeslied
Wie soll ich meine Seele halten, daß 
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie 
hinheben über dich zu andern Dingen? 
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas 
Verlorenem im Dunkel unterbringen 
an einer fremden stillen Stelle, die 
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich, 
der aus zwei Saiten eine Stimme
zieht. 
Auf welches Instrument sind wir gespannt? 
Und welcher Geiger hat uns in der Hand? 
O süßes Lied.
Rainer Maria Rilke
Aus: Neue Gedichte 
Karl und Elisabeth von der Heydt in Freundschaf.


Der Maler:



„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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