Das XXI. Sonett

Rainer Maria Rilke


ROSEN ….

Edward
Okuń, Polen, Zeichnung Rosen ….


Das XXI. Sonett
Singe
die Gärten, mein Herz, die du nicht kennst; wie in Glas 
eingegossene
Gärten, klar, unerreichbar. 
Wasser
und Rosen von Ispahan oder Schiras
singe
sie selig, preise sie, keinem vergleichbar. 
Zeige,
mein Herz, dass du sie niemals entbehrst. 
Dass
sie dich meinen, ihre reifenden Feigen. 
Dass
du mit ihren, zwischen den blühenden Zweigen 
wie
zum Gesicht gesteigerten Lüften verkehrst. 
Meide
den Irrtum, dass es Entbehrungen gebe 
für
den geschehnen Entschluss, diesen: zu sein! 
Seidener
Faden, kamst du hinein ins Gewebe. 
Welchem
der Bilder du auch im Innern geeint bist 
(sei
es selbst ein Moment aus dem Leben der Pein), 
fühl,
dass der ganze, der rühmliche Teppich gemeint ist. 
Rainer
Maria Rilke
 zwischen dem 17. und 23.2.1922, Chateau de
Muzot
Aus: Sonette an Orpheus 

 Geschrieben
als ein Grab-Mal für Wera Ouckama Knoop
Chateau
de Muzot im Februar 1922I

Geliebtsein
heißt aufbrenne
n.
 Lieben ist: Leuchten
mit unerschöpflichem
Öle.
Geliebtwerden ist vergehen,
Lieben ist
dauern.
Liebende halten
einander.
Was aus der
Freundschaft erkeimt,
sind einzig die
Früchte der Freund
schaft;
doch was aus der
Liebe erblüht, ist
dies die Liebe
nicht selbst?



„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“
 




Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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