„ROSENERBEN“

Rainer Maria Rilke


PAULA MODERSON BECKER
Rosenranken und schlafende Schönheit.
Weißt du, daß
ich dir müde Rosen flechte 
ins Haar, das
leis ein weher Wind bewegt – 
Siehst du den
Mond wie eine silberechte 
Merkmünze, und
dein Bild ist eingeprägt: 
ein Weib, das
lächelnd dunkle Dornen trägt – 
Das ist das
Zeichen toter Liebesnächte. 
Fühlst du die
Rosen auf der Stirne sterben? 
Und jede läßt
die Schwester schauernd los 
und muß allein
verdarben und verderben, 
und alle fallen
fahl in deinen Schoß. 
Dort sind sie
tot. Ihr Leid war leis und groß. 
Komm in die
Nacht. Und wir sind Rosenerben. 

Rainer Maria Rilke

– 1897 –

„Vergessen
Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit!“ 

Editorische Notiz : Betrifft Rechtschreibung: 

Die Texte von Rainer Maria Rilke
werden nicht im Format der neuen deutschen Rechtschreibung wiedergegeben,
sondern im Originalformat von Rainer Maria Rilke.

Dieser Blog folgt dem Originaltext.

RAINER MARIA RILKE . 1875 – 1926

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